Monatsgespräch Klaus W. Wellershoff und Patrick Müller
Erhalten Sie die aktuellen Einschätzungen von Patrick Müller im Gespräch mit Klaus W. Wellershoff zur wirtschaftlichen Grosswetterlage.

Die wirtschaftlichen Indikatoren veränderten sich kaum. Das Wachstum entwickelt sich ordentlich und die Inflation verharrt – ausser in der Schweiz – auf zu hohen Niveaus. So erstaunt es wenig, dass die Portfoliorenditen zumeist einen positiven Jahresstart erlebt haben. Und trotzdem ist eine allgemeine Nervosität spürbar. Das Gold erklimmt neue Höhen und fällt danach, einzelne Firmen präsentieren Rekordergebnisse, während gleichzeitig ihre Aktienpreise korrigieren. Im Fachjargon nennt sich das Volatilität.
Das Video wurde am 03.02.2026 aufgezeichnet.
Wirtschaftswachstum: Solides aber tendenziell schwächeres Weltwachstum
Die Lage der Weltwirtschaft bleibt weiterhin fragil. Zwar konnten die USA im dritten Quartal 2025 mit einem überraschend starken Wachstum aufwarten, doch die Sorgen um die zukünftige Entwicklung bleiben bestehen. Ein schwacher Arbeitsmarkt, eine geringe Investitionsbereitschaft der Unternehmen sowie eine getrübte Stimmungslage belasten die Wachstumsaussichten.
Auch China gerät weiter ins Taumeln. Im vierten Quartal wurde lediglich ein offizielles Wachstum von 4.5 Prozent verzeichnet, was für das Schwellenland niedrig ist. Der tatsächliche Wachstumswert liegt traditionell unter dem offiziell ausgewiesenen Wert, was angesichts der Schwäche in Konsum und Investitionen plausibel erscheint.
Etwas besser präsentiert sich die Lage in der Eurozone. Im Jahre 2025 ist das BIP um solide 1.3 Prozent gewachsen. Deutschland bleibt dabei weiterhin die bremsende Kraft, verzeichnete zuletzt jedoch zumindest wieder ein leichtes Wachstum.
Insgesamt bleiben die Aussichten für das Weltwirtschaftswachstum durchwachsen, insbesondere solange die beiden grössten Volkswirtschaften USA und China nicht auf einen stärkeren Wachstumspfad kommen.
Inflation: Verharrt weltweit auf hohem Niveau
Nachdem die Kerninflation für den November in den USA und Grossbritannien überraschend stark gefallen ist, blieb sie im Dezember in beiden Ländern unverändert. In den USA beträgt die Kernrate 2.6 Prozent in Grossbritannien 3.2 Prozent und liegt somit weiterhin über dem Ziel der Zentralbanken. Auch in Japan bleibt sie hartnäckig hoch, ist jedoch leicht um 0.1 auf 2.9 Prozent gesunken.
Leicht besser ist die Situation in der Eurozone mit einer Kernrate von 2.3 Prozent. Der Aufwärtsdruck kommt vor allem von Deutschland, Europas grösster Volkswirtschaft. In der Schweiz hingegen herrscht weiterhin Preisstabilität mit einer Kernrate von 0.5 Prozent, leicht höher als im November.
Geldpolitik: Das Fed im Blickpunkt
Im Dezember haben sowohl die Amerikanische Zentralbank (Fed), die Europäische Zentralbank (EZB), die Schweizerische Nationalbank (SNB) als auch die japanische Zentralbank (BoJ) über ihren Leitzins entschieden.
Die amerikanische Notenbank Fed hat Anfang Dezember nach einer längeren Phase des Bilanzabbaus angekündigt, diesen Kurs vorerst nicht weiterzuverfolgen. In der Folge war zuletzt sogar ein leichter Anstieg der Bilanzsumme zu beobachten. Darüber hinaus dürfte der Druck auf die Fed auch mittelfristig hoch sein, die Zinsen über Anleihenkäufe zu kontrollieren. Angesichts einer ungezügelten Fiskalpolitik und eines massiven Budgetdefizits dürfte es für die Notenbank zunehmend schwierig werden, die Bilanzsumme nicht weiter zu vergrössern.
Nebst indirektem Druck über die Fiskalpolitik gibt es aber weiterhin auch direkten Druck seitens der Regierung. Die Angriffe auf Powell haben sich zuletzt weiter intensiviert. So wurde mit einem strafrechtlichen Verfahren gegen Powell gedroht, was Bedenken zur Unabhängigkeit des Fed weiter befeuert hat.
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