Monatsgespräch Klaus W. Wellershoff und Patrick Müller
Erhalten Sie die aktuellen Einschätzungen von Patrick Müller im Gespräch mit Klaus W. Wellershoff zur wirtschaftlichen Grosswetterlage.

Die von den USA und Israel geführte Offensive gegen den Iran hat auch die Finanzmärkte erreicht. Alle Aktienmärkte verzeichneten in den Tagen nach dem Angriff Bewertungsverluste von 2-4% wohingegen Gold- und Ölpreise anstiegen. Davor standen die Entwicklungen im Februar noch im Zeichen der KI-Revolution und deren Implikationen insbesondere für Software-basierte Geschäftsmodelle, was zu deutlich tieferen Bewertungen dieser Unternehmen führte. Dies alles passiert weiterhin vor sich leicht aufhellenden Wirtschaftsindikatoren.
Das Video wurde am 04.03.2026 aufgezeichnet.
Wirtschaftswachstum: Weiterhin fragil mit verbesserter Industriestimmung
Die Wachstumszahlen für das vierte Quartal blieben in den grossen Volkswirtschaften hinter den Erwartungen zurück. Vor allem die USA haben nach einem starken dritten Quartal deutlich an Schwung verloren und verzeichnen nur noch ein Wachstum von 0.4 Prozent. Auch die stark nach unten revidierten Arbeitsmarktdaten für das Jahr 2025 schüren zusätzliche Wirtschaftssorgen.
Eine leichte Entspannung für die Weltkonjunktur zeigen hingegen die vorlaufenden Stimmungsindikatoren. Besonders die Industrie in Europa und Japan sendet erstmals seit längerer Zeit wieder Signale einer ansteigenden Geschäftstätigkeit. Auch in den USA hat sich die Industriestimmung spürbar verbessert.
Insgesamt präsentiert sich die globale Wirtschaftslage damit weiterhin als fragil. Kommt hinzu, dass sich ein anhaltender Konflikt im Iran vor allem auf die Volkswirtschaften in Asien durchschlagen würde, die das weltwirtschaftliche Wachstum in den letzten Jahren massgebend gestützt haben.
Inflation: Japan sorgt für etwas Entspannung
In den Industrienationen hat sich die Inflationsdynamik zuletzt deutlich abgeschwächt. In den USA, der Eurozone und Grossbritannien ist die Kerninflation, welche die volatilen Gütergruppen Energie und Lebensmittel ausschliesst, auf den tiefsten Stand seit über vier Jahren gefallen. In den USA sank sie im Januar auf 2.5 Prozent, in der Eurozone fiel sie auf 2.2 Prozent und in Grossbritannien auf 3.1 Prozent. Damit nähern sich die USA und die Eurozone dem geldpolitischen Zielwert, während Grossbritannien weiterhin klar darüber liegt.
Am deutlichsten zeigt sich die Abschwächung jedoch in Japan: Die Kernrate sank um 0.3 Prozentpunkte auf 2.6 Prozent, die Gesamtrate sogar um 0.6 Prozentpunkte auf 1.5 Prozent. Für die japanischen Währungshüter ist das eine erfreuliche Entwicklung, da ein Anstieg des Leitzinses zur Bekämpfung der Inflation erhebliche Risiken für das Finanzsystem mit sich gebracht hätte.
Die Schweiz bleibt mit einer Kerninflation von 0.5 Prozent unverändert auf sehr niedrigem Niveau. Somit bleibt die Schweiz mit ihrer Preisstabilität weiterhin eine Ausnahme im internationalen Vergleich.
Aufgrund des laufenden Konflikts im Iran, steigen die Energiepreise stark an und in vielen Ländern spürt der Konsument dies sehr schnell, zum Beispiel an der Tankstelle. Es ist damit zu rechnen, dass dies die Inflationsraten wieder steigen lässt.
Geldpolitik: Die Bilanzsumme der Notenbanken nimmt zu
Die Bilanzen der Zentralbanken verharren weiterhin auf hohem Niveau. Die US-Notenbank wies Ende Februar Aktiva von rund 6.6 Billionen US-Dollar aus und damit etwas mehr als im Vormonat. Auch bei der Europäischen Zentralbank war zuletzt ein moderater Anstieg der Bilanzsumme zu verzeichnen.
In der Schweiz ist die Situation besonders ausgeprägt. Die Schweizerische Nationalbank weist mit 894 Milliarden Franken eine Bilanzsumme aus, die in etwa dem jährlichen Bruttoinlandsprodukt entspricht. Gemessen an der Wirtschaftsleistung verfügt die Schweiz damit über die höchste Zentralbankbilanz im internationalen Vergleich. Diese hohe Relation ist Ausdruck wiederholter Devisenmarktinterventionen zur Begrenzung von Aufwertungsdruck auf den Franken.
Angesichts der anhaltenden geopolitischen Unsicherheiten im Zusammenhang mit dem Konflikt im Iran bleibt dieser Aufwertungsdruck bestehen. Damit steigt die Wahrscheinlichkeit erneuter Interventionen und folglich auch das Risiko einer wieder zunehmenden Bilanzsumme. Die Phase hoher Zentralbankliquidität dürfte somit vorerst anhalten. Wie oben erwähnt, werden die Zentralbanken die Inflationsdaten aufgrund der steigenden Energiepreise natürlich beobachten und in ihre Geldpolitik einfliessen lassen.
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