Schweizer Pensionskassen machen einen guten Job, haben aber vier Hausaufgaben vor sich

Wir haben die Renditen von Schweizer Pensionskassen analysiert. Die Resultate der letzten 10 Jahre dürfen insgesamt als sehr solide und bemerkenswert stabil eingestuft werden. Für den Erfolg in den nächsten 10 Jahren erfordern vier Themengebiete mehr Aufmerksamkeit von den PK-Verantwortlichen.

Die Performance von Schweizer Pensionskassen wird als stabil, aber wenig dynamisch wahrgenommen. Wir haben untersucht, inwiefern sich dieser Eindruck bestätigen lässt und wo die Herausforderungen für die Zukunft liegen. Für die Analyse haben wir auf die meistverwendeten Erhebungen der UBS und der Swisscanto abgestützt.

Renditen wie BVG-40 Benchmark

Das Bild täuscht nicht. Über die letzten 10 Jahre bewegten sich die Renditen in einem engen Band, mit verhältnismässig geringen Ausschlägen in starken und schwachen Marktphasen. In der untenstehenden Tabelle sind die Zeitreihen von Swisscanto und UBS sowie den BVG-Indizes über den gesamten Zeitraum 2015–2026 aufgeführt. Mit 3.6% resp. 3.7% p.a. liegen die Renditen praktisch gleichauf, auch auf Jahresbasis verlaufen die Werte eng parallel. Im Vergleich zu den BVG-Indizes zeigt sich, dass die Pensionskassen langfristig nahe am BVG-40 (3.8 % p.a.) liegen, in starken Marktjahren jedoch klar hinter diesem zurückbleiben – etwa 2019 oder 2024. Als letzten Punkt der Performanceanalyse hier noch ein Chart der Performance der Schweizer Pensionskassen verglichen mit der BVG 40 Benchmark und einem Median von Portfolios, die der «Balanced-Strategie» mit 45% Aktien folgen.

Grafik_01-1 Quelle: Zwei Wealth Plattform/ Portfolio: UBS PK Performance, Daten für “PK Alle” / Benchmark: Pictet, BVG 40 Index / Median: Aggregat von Portfolios auf Zwei Wealth Plattform mit «Balanced Strategien» 

PK-PerformanceTableQuellen: Swisscanto: Pensionskassen-Monitor Ausgaben 2015-2026/ UBS: UBS PK Performance (vor 2024 CS Schweizer PK-Index) / Pictet: Pictet BVG 2015 Indizes (BVG-25, BVG-40)

Über die gesamte Zeitperiode 2015-2026 lagen die realen Resultate von Schweizer Pensionskassen gleichauf mit dem BVG 40 Index, und wiesen zudem eine tiefere Volatilität auf.

Weniger Anleihen, mehr Aktien und Immobilien

Die Tabelle 2 zeigt die Veränderung der Anlagestrategie von Schweizer Pensionskassen über die letzten 10 Jahre. Die Anleihenquote wurde in dieser Zeit um 11 Prozentpunkte reduziert. Im Gegenzug ist die Aktienquote (+6 p.p.) und die Immobilienquote (+5 p.p.) angestiegen.

 PK-AnlageklasseTable Quelle: UBS: UBS PK Performance (vor 2024 CS Schweizer PK-Index)

Die Anlagestrategie des BVG-40 unterscheidet sich weiterhin sehr stark von den effektiv verwendeten Allokationen von Schweizer Pensionskassen. Und trotzdem lag die Gesamtrendite praktisch gleichauf. Das war v.a. möglich, weil Schweizer Pensionskassen im Schnitt über 20% in Immobilien investiert waren und diese mit einer annualisierten Rendite von rund 5% die tiefere Aktienquote wettmachen konnte. Im Gegenzug bauten die Schweizer Pensionskassen ihre Anlagen in Obligationen kontinuierlich ab. Da sowohl CHF Anleihen mit 0.5% p.a. als auch Anleihen in Fremdwährungen mit -0.1% p.a. in den letzten 11 Jahren nichts zur Performance beitrugen, war der Ausbau von Immobilien und die Erhöhung der Quote von Alternativen Anlagen sehr vorteilhaft, sowohl in Bezug auf die Erhöhung der Rendite als auch zur Senkung des Risikos.

Ambition statt Status quo: Vier Hebel für ein wettbewerbsfähiges PK-System

Die Schweizer Pensionskassen gehören zu den solidesten Systemen weltweit – doch der Anspruch sollte höher sein: Sie müssen sich an den besten internationalen Modellen messen lassen, insbesondere in Bezug auf Rendite, Risikonutzung und Effizienz. Ein Blick nach Grossbritannien oder in die Niederlande zeigt, dass langfristig höhere Aktienquoten, professionellere Governance-Strukturen und ein klarerer Fokus auf Nettorenditen möglich sind. Daraus lassen sich vier zentrale Handlungsfelder ableiten: Erstens eine konsequentere Nutzung von Risiko, insbesondere durch höhere und stabilere Aktienquoten. Zweitens eine stärkere Fokussierung auf echte Alpha-Quellen statt teurer Beta-Exponierungen. Drittens ein kritischerer Umgang mit illiquiden Anlagen und deren Rolle im Portfolio. Und viertens eine Weiterentwicklung von Governance und Regulierung, um diese Veränderungen überhaupt zu ermöglichen.

  • Mehr Risiko dort, wo es sich lohnt: Aktienquoten erhöhen
    Obwohl in den letzten 10 Jahren Aktien von 28% auf 34% aufgebaut wurden, haben die meisten Pensionskassen in der Schweiz immer noch tiefe Aktienanteile, v.a. im Vergleich mit Pensionskassen aus Holland oder England. Das war ein Nachteil in den letzten 11 Jahren, lag die Performance von Schweizer Aktien in diesem Zeitraum doch bei 6.8% p.a. und die von ausländischen Aktien bei 7.7% p.a. Das Untergewicht in Aktien kostete die Pensionskassen einiges an Performance. Aktien sind langfristig die renditestärkste Anlageklasse – dennoch halten Schweizer Pensionskassen im internationalen Vergleich tiefe Quoten. Systeme wie in den Niederlanden oder im UK zeigen, dass deutlich höhere Aktienanteile möglich sind, ohne die Stabilität zu gefährden. Der zentrale Punkt ist nicht kurzfristige Volatilität zu vermeiden, sondern langfristige Renditeziele zu erreichen. Dafür braucht es ein Umdenken: weg von statischen Risikobudgets hin zu einer bewussten, strategischen Nutzung von Risiko – unterstützt durch robustere Governance-Strukturen und weniger restriktive regulatorische Vorgaben.

  • Alpha im Fixed Income: Aktives Management gezielt einsetzen
    Im Obligationenbereich führt eine rein indexierte Anlage systematisch zu Fehlallokationen, da Schuldner mit hoher Verschuldung übergewichtet werden. Gleichzeitig sind die Märkte fragmentiert und weniger effizient als im Aktienbereich – ein Umfeld, in dem aktives Management regelmässig Mehrwert schaffen kann. Alpha entsteht hier insbesondere durch Kreditselektion, Laufzeitensteuerung und die Nutzung von Ineffizienzen in weniger liquiden Segmenten. Entscheidend ist jedoch die Selektion der richtigen Manager und ein klares Verständnis der tatsächlichen Renditequellen.

  • Alternative Anlagen: Selektiv statt breit gestreut
    Alternative Anlagen werden oft als Renditetreiber positioniert, liefern in der Breite jedoch häufig nur teures Beta. Insbesondere bei Hedge Funds ist fraglich, ob die erzielten Renditen die hohen Gebühren rechtfertigen. Private Equity kann Mehrwert schaffen, aber primär für Investoren mit Zugang zu Top-Managern. Für Pensionskassen bedeutet das: weniger Fokus auf Quoten, mehr Fokus auf Qualität und Zugang. Nicht jede Alternative ist per se sinnvoll.

  • Immobilien kritisch hinterfragen: Stabilität kann trügen
    Der hohe Immobilienanteil in Schweizer Pensionskassen führt zu erheblichen Klumpenrisiken, die oft unterschätzt werden. Die historisch geringe Volatilität von Schweizer Immobilien ist ein Bewertungseffekt und kein Ausdruck realer Risikoreduktion. Gleichzeitig sind die Anlagen illiquide und stark vom Zinsumfeld abhängig. Eine echte Krise im Schweizer Immobilienmarkt liegt lange zurück – gerade deshalb sollte die aktuelle Stabilität nicht als gegeben angenommen werden. Die zentrale Frage ist, ob die heutige Gewichtung noch mit einer zukunftsorientierten Risikosteuerung vereinbar ist.

Vom Gleichlauf zur Überrendite: Was eine optimierte Benchmark leisten kann

Eine höhere, strategisch stabilere Aktienquote, gezieltes aktives Management im Fixed Income, ein selektiverer Einsatz von Alternativen sowie ein bewussterer Umgang mit Immobilienrisiken führen in der Kombination zu einem klar verbesserten Rendite-Risiko-Profil, wie die Grafik unten zeigt.

Grafik_02Quelle: Zwei Wealth Plattform, Portfolio: UBS PK Performance, Daten für “PK Alle” , Benchmark: Zwei Wealth Benchmark mit 4 Anpassungen, s. Text , Median: Aggregat von Portfolios auf Zwei Wealth Plattform mit «Balanced Strategien»

Unsere «Zwei Wealth Benchmark» würde die annualisierte Rendite auf rund 5.6% steigern – fast 2 Prozentpunkte über dem heutigen Niveau. Dem gegenüber steht ein höheres Risiko von 9.3%, ebenfalls rund 2 Prozentpunkte mehr. Entscheidend ist jedoch: Das zusätzliche Risiko ist nicht ineffizient, sondern gezielt eingesetzt und wird durch eine signifikant höhere erwartete Rendite kompensiert. Genau darin liegt der Unterschied zwischen einer defensiven Benchmark-Logik und einem wirklich renditeorientierten Anlageansatz.

Fazit

Schweizer Pensionskassen erzielten ein gutes Ergebnis, da sie trotz deutlich tieferem Aktienanteil renditemässig mit dem BVG 40 mithalten konnten und den «breiten Markt» von Balanced Strategien deutlich geschlagen haben. Diese gute Basis gilt es zu erhalten. Gleichzeitig dürfen sich die Pensionskassen nicht in falscher Sicherheit wähnen. Wir empfehlen jeder Pensionskasse sich mit den vier erwähnten Hebeln für die Zukunft zu rüsten.

 In den kommenden Ausgaben von Wealth Office Insights werden wir die aufgezeigten Hebel gezielt vertiefen und mit konkreten Daten, Benchmarks und Umsetzungsbeispielen unterlegen. Ziel ist es, daraus praxisnahe Ansätze abzuleiten, wie Pensionskassen Rendite und Risiko nachhaltig besser steuern können.  

Zur Methodik

Die Datengrundlage sind Zeitreihen aus der «UBS PK Performance», die auf effektiven Custody-Daten basiert (historisch ergänzt durch den Credit Suisse Pensionskassen-Index) und damit die tatsächlich verwalteten Vermögen abbildet. Ergänzend dazu wird der Swisscanto Pensionskassen-Monitor herangezogen, der auf einer breiten Umfrage unter mehreren hundert Vorsorgeeinrichtungen fusst und eine hohe Marktabdeckung bietet. Trotz unterschiedlicher Methodik zeigen beide Quellen eine sehr hohe Übereinstimmung.

Als Referenz dienen die Pictet BVG 2015 Indizes (BVG-25 und BVG-40), die unterschiedliche strategische Risikoprofile abbilden. Die Gegenüberstellung mit den effektiven PK-Renditen zeigt, in welchem Risikokorridor sich die Schweizer Pensionskassen bewegen und wie ihre tatsächliche Positionierung im Vergleich zu klassischen BVG-Allokationen einzuordnen ist.