Im folgenden Video führt Cyrill Moser, Head Provider Management, durch den Topic Deep Dive vom 5. Februar 2026 und ordnet die wichtigsten Unterschiede zwischen aktiven und passiven Anlagestrategien ein.
Passive Anlagestrategien verfolgen das Ziel, die Performance eines definierten Marktes möglichst exakt abzubilden. In der Regel geschieht dies über indexnahe Produkte wie ETFs, welche die im Index enthaltenen Wertschriften nach Marktkapitalisierung gewichten. Der Fokus liegt nicht auf einer aktiven Titelauswahl, sondern auf einer möglichst geringen Abweichung, auch Tracking Error genannt, zur Marktrendite.
Zu den zentralen Vorteilen passiver Strategien zählen die tiefen Kosten, eine hohe Transparenz sowie eine einfache und konsistente Umsetzung. Investoren erhalten eine breite Marktdiversifikation und profitieren von der langfristigen Entwicklung effizienter Märkte.
Demgegenüber stehen klare Einschränkungen. Passive Strategien sind dem gesamten Marktrisiko ausgesetzt und bieten keine Möglichkeit, in Abschwungphasen aktiv gegenzusteuern. Zudem entstehen Konzentrationsrisiken, da stark gewichtete Titel automatisch einen grossen Anteil im Portfolio einnehmen, unabhängig von ihrer Bewertung.
Aktive Anlagestrategien zielen darauf ab, durch gezielte Über- und Untergewichtungen einzelner Wertschriften eine Überrendite gegenüber dem Referenzindex zu erzielen. Portfoliomanager stützen sich dabei auf fundamentale Analysen, quantitative Modelle und makroökonomische Einschätzungen. Das Portfolio unterscheidet sich bewusst vom Index, mit dem Ziel, eine Überrendite (Alpha) zu generieren.
Aktive Strategien bieten insbesondere in weniger effizienten Märkten Vorteile. Sie ermöglichen eine aktive Risikosteuerung, eine gezielte Positionierung nach Anlagezielen sowie die Nutzung von Marktineffizienzen. Gleichzeitig gehen sie mit höheren Kosten einher und setzen eine sorgfältige Managerselektion voraus. Langfristige Studien zeigen, dass ein Grossteil der aktiven Manager ihren Benchmark nicht übertrifft.
Wachstum Passiv vs Aktiv von US Equity Funds; Source: Morningstar 2025
Die Entwicklung der letzten Jahrzehnte zeigt eine klare Verschiebung zugunsten passiver Strategien. In den USA übersteigen die passiv verwalteten Vermögen mittlerweile jene der aktiven Fonds deutlich. Der Abstand beläuft sich auf mehrere Billionen US-Dollar. Auch in Europa wächst das passive Segment schneller, obwohl aktive Strategien dort noch stärker vertreten sind.
Diese Entwicklung unterstreicht den strukturellen Trend hin zu kosteneffizienten, transparenten Anlageformen, insbesondere in hoch effizienten Märkten.
Trotz der schwachen durchschnittlichen Erfolgsquote aktiver Manager lohnt sich eine differenzierte Betrachtung. In bestimmten Marktsegmenten erzielen aktive Strategien nachweislich bessere Resultate. Dazu zählen unter anderem Small und Mid Caps, Schwellenländer, Nischenmärkte, Obligationenmärkte sowie spezialisierte Anlagethemen. Auch für die Umsetzung von Investitionsstrategien wie "Qualität", "Wachstum" oder "Value" können sich aktive Strategien oft behaupten.
Die Daten zeigen, dass die Erfolgswahrscheinlichkeit aktiver Manager stark von der Markteffizienz abhängt. In ineffizienten Märkten liegt die Quote der Manager, die ihren Benchmark langfristig schlagen, deutlich höher als in globalen Märkten mit Grosskapitalisierten Werten. Aktivität entfaltet ihren Mehrwert dort, wo Informationsvorsprünge, Spezialisierung und Flexibilität eine Rolle spielen.
Eine wachsende Bedeutung kommt aktiven ETFs zu. Sie kombinieren aktive Managementansätze mit den strukturellen Vorteilen von ETFs wie Börsenhandel, tägliche Transparenz und tiefe Mindestinvestitionen. Aktive ETFs eignen sich insbesondere für den Zugang zu schwer abbildbaren Märkten oder spezifischen Investmentzielen, gehen jedoch mit höheren Gebühren einher als klassische Indexprodukte.
Aus den Analysen lassen sich sechs Kernaussagen ableiten:
Aktive und passive Strategien können beide gute Resultate erzielen und lassen sich sinnvoll kombinieren.
Der durchschnittliche aktive Manager erzielt langfristig keinen nachhaltigen Mehrwert.
Die Auswahl eines sehr guten aktiven Managers kann sich über längere Zeiträume auszahlen.
Passive Strategien eignen sich besonders für effiziente Märkte.
Aktive Strategien sind vorteilhaft in weniger effizienten Märkten, bei spezialisierten Strategien, Obligationen und massgeschneiderten Portfolios.
Eine regelmässige Überprüfung und Überwachung der Manager ist entscheidend.
Die Frage «aktiv oder passiv» lässt sich nicht pauschal beantworten. Eine strukturierte Kombination beider Ansätze, abgestimmt auf Marktsegment, Anlageziel und Risikoprofil, führt langfristig zu besseren Ergebnissen. Entscheidend sind Transparenz, Kostenbewusstsein und eine konsequente Qualitätskontrolle der eingesetzten Anbieter.