Active ETFs – der nächste Evolutionsschritt im Asset Management?
Active ETFs werden oft als nächster Evolutionsschritt im Asset Management bezeichnet. Tatsächlich verbinden sie mehrere Eigenschaften, die institutionelle Anleger seit Jahren fordern: transparente Kosten, einfache Preisstrukturen und hohe Liquidität. Anders als klassische Fonds kennen ETFs keine unterschiedlichen Anteilsklassen – alle Anleger handeln zum gleichen Marktpreis, und das Pricing ist von Beginn an institutionell. Die Diskussionen an der Finanz 26 in Zürich haben gezeigt, dass Active ETFs damit mehr sind als ein neues Produktformat – sie könnten die Art verändern, wie institutionelle Anleger aktive Strategien künftig implementieren.

An der Finanz 26 in Zürich durfte ich eine Paneldiskussion zu Active ETFs moderieren. Vertreter grosser internationaler Asset Manager diskutierten dort die Frage, ob aktive ETFs tatsächlich eine neue Phase im Asset Management einläuten oder ob sie lediglich eine neue Verpackung für bestehende Strategien darstellen. Die Diskussion zeigte schnell: Hinter dem Produkt steht mehr als ein Marketingtrend. Gerade für institutionelle Anleger verändern «Active ETFs» einige der zentralen Mechanismen, wie Investmentstrategien strukturiert, vertrieben und bepreist werden.
Der ETF-Markt hat in den letzten zwanzig Jahren die Vermögensverwaltung grundlegend verändert. Zunächst geschah dies vor allem im Bereich passiver Anlagen. ETFs machten Indexstrategien günstig, transparent und handelbar. «Active ETFs» versuchen nun, diese Vorteile mit aktivem Portfolio-Management zu verbinden. Die Grundidee ist einfach: Anleger sollen die Flexibilität und Kosteneffizienz eines ETFs nutzen können, ohne auf aktives Management verzichten zu müssen.
Transparentes Pricing – keine Retrozessionen
Ein erster wichtiger Punkt ist die Preisstruktur. Klassische Fonds arbeiten mit unterschiedlichen Anteilsklassen. Retail-Investoren bezahlen häufig deutlich höhere Gebühren als institutionelle Investoren, da Vertriebskosten und Retrozessionen in den Produkten eingebaut sind. Für institutionelle Anleger bedeutet dies oft, dass sie zunächst die richtige Anteilsklasse identifizieren und verhandeln müssen, um zu einer angemessenen Kostenstruktur zu gelangen.
Der ETF-Mechanismus funktioniert anders. Da ETFs an der Börse gehandelt werden, existiert nur eine Anteilsklasse. Der Preis wird am Markt gebildet und ist für alle Anleger gleich. Es gibt keine unterschiedlichen Anteilsklassen für verschiedene Vertriebskanäle. Damit ist das Pricing von Anfang an institutionell. Jeder Anleger handelt zum gleichen Marktpreis und trägt die gleiche Kostenstruktur. Die Kosten bestehen im Wesentlichen aus der «Total Expense Ratio» (TER) und den Handelskosten. Versteckte Vertriebskosten oder komplexe Gebührenstrukturen spielen keine Rolle.
Echte Liquidität aufgrund der Marktstruktur
Ein zweiter wichtiger Aspekt ist die Marktstruktur. Ein ETF funktioniert nicht wie ein klassischer Fonds, bei dem Anleger direkt beim Fonds ein- oder aussteigen. Stattdessen existieren zwei Märkte. Auf dem Sekundärmarkt handeln Anleger ETF-Anteile an der Börse miteinander. Gleichzeitig existiert ein Primärmarkt zwischen ETF-Anbietern und sogenannten «Authorized Participants», die in der Regel Teil grosser Investmentbanken sind.
Diese Marktstruktur ermöglicht den sogenannten «Creation- und Redemption-Prozess». Wenn die Nachfrage nach einem ETF steigt und der Preis leicht über dem inneren Wert des Portfolios liegt, kaufen «Authorized Participants» die zugrunde liegenden Wertpapiere am Markt und liefern sie dem ETF-Anbieter. Im Gegenzug erhalten sie neu geschaffene ETF-Anteile, die sie wiederum an der Börse verkaufen. Umgekehrt können ETF-Anteile zurückgegeben werden, wenn der ETF unter seinem inneren Wert handelt. Dieser Arbitrage-Mechanismus sorgt dafür, dass sich der ETF-Preis normalerweise sehr nahe am Nettoinventarwert bewegt. Gleichzeitig ermöglicht er eine hohe Skalierbarkeit. Das Fondsvolumen kann sich flexibel an die Nachfrage anpassen, ohne dass bestehende Anleger verwässert werden oder Liquiditätsprobleme entstehen. In der Praxis bedeutet das, dass die Liquidität eines ETFs nicht primär vom Börsenvolumen abhängt, sondern von der Liquidität der zugrunde liegenden Märkte. Ein ETF auf grosse globale Aktien kann daher selbst dann sehr liquide sein, wenn sein tägliches Handelsvolumen vergleichsweise gering erscheint. Institutionelle Anleger können grosse Transaktionen oft direkt über «Authorized Participants» strukturieren, ohne den Marktpreis wesentlich zu beeinflussen.
Erhöhen ETF’s die Volatilität an den Märkten?
In unserer Paneldiskussion wurde auch die Frage aufgeworfen, wie robust diese Marktstruktur in Stressphasen ist. Kritiker argumentieren gelegentlich, dass ETFs in turbulenten Märkten zusätzliche Volatilität erzeugen könnten. Die Erfahrungen aus vergangenen Marktphasen, etwa während der Corona-Krise im März 2020, zeigen jedoch ein differenzierteres Bild. ETFs blieben in der Regel handelbar, selbst wenn die zugrunde liegenden Märkte teilweise illiquide wurden. In einigen Fällen reflektierten ETF-Preise sogar schneller die tatsächlichen Marktbedingungen als traditionelle Fondsbewertungen.
Transparenz – ein zweischneidiges Schwert?
Ein weiterer Diskussionspunkt betrifft die Transparenz. ETFs veröffentlichen ihre Portfolios in der Regel täglich. Für passive Strategien ist das unproblematisch. Bei aktiven Strategien stellt sich jedoch die Frage, ob diese Transparenz das Risiko von Nachahmung oder Front Running erhöht. Viele Manager argumentieren, dass dieses Risiko überschätzt wird, insbesondere bei breit diversifizierten Portfolios oder systematischen Strategien. Gleichzeitig erhöht Transparenz die Kontrollmöglichkeiten für institutionelle Investoren und Investment Committees erheblich. Gerade für institutionelle Anleger ist dieser Governance-Aspekt nicht zu unterschätzen. Investment Committees müssen Strategien nachvollziehen und überwachen können. Die hohe Transparenz von ETFs erleichtert diese Aufgabe und reduziert Informationsasymmetrien zwischen Manager und Investor.
Welche Strategien eignen sich für ETF’s?
Eine interessante Frage, die im Panel ebenfalls diskutiert wurde, ist, welche Arten von Strategien besonders gut in ein ETF-Format passen. Besonders geeignet sind liquide Aktienstrategien, systematische Ansätze oder Faktorstrategien. Auch viele Fixed-Income-Strategien lassen sich gut in einem ETF strukturieren, solange die zugrunde liegenden Märkte ausreichend liquide sind. Weniger geeignet sind hingegen Strategien mit stark illiquiden Anlagen oder solche, die stark auf diskretionäre Einzeltitelpositionen setzen.
Fazit
«Active ETFs» sind keine Revolution, aber eine sehr sinnvolle Weiterentwicklung des bestehenden Instrumentariums. Sie verbinden die strukturellen Vorteile des ETF-Handels mit aktivem Portfolio-Management und schaffen damit eine transparente, skalierbare und kosteneffiziente Lösung für Anleger. Gerade für institutionelle Investoren ist dabei entscheidend, dass das Produkt ohne komplexe Share-Class-Strukturen auskommt und das Pricing von Anfang an institutionell ist. Die Diskussion an der Finanz 26 hat gezeigt, dass Active ETFs deshalb weniger ein kurzfristiger Trend sind, sondern zunehmend zu einem festen Bestandteil moderner institutioneller Portfolios werden dürften.